Wie ich gut für mich sorge – ohne diesen Selfcare-Zirkus
Ehrlich gesagt war für mich das Wort „Selbstfürsorge“ lange Zeit nicht wirklich ein Thema, das ich ernst genommen habe oder gar für nötig empfand. Das war eher sowas, was man so on top macht, wenn dann mal alles erledigt ist und noch Zeit übrigbleibt oder wenn man es sich „verdient“ hat, weil man gerade mal wieder ganz viel geschafft und erledigt hat.
Heute weiß ich: Das war der Denkfehler.
Selbstfürsorge ist kein Luxus und sie ist schon gar kein Instagram-Trend, wie es uns so oft verkauft wird. Sie ist eine Haltung, noch dazu eine sehr wichtige, und wir sollten sie wirklich ernst nehmen.
Selbstfürsorge ist kein Schaumbad
Nicht, dass ich etwas gegen Schaumbäder hätte, aber sie retten dich eben nicht durch ein Leben, das zu laut, zu voll und zu eng geworden ist.
Echte Selbstfürsorge beginnt nicht mit Kerzen, sondern mit Ehrlichkeit und mit der wichtigen Frage an dich selbst:
Was brauche ich wirklich – und was tue ich nur, weil ich es gewohnt bin?
Ich sorge gut für mich, indem ich aufhöre, alles auszuhalten
Eigentlich habe ich immer geglaubt, stark sein heißt durchhalten. Nicht jammern. Funktionieren. Weitermachen. Geht schon!
Heute weiß ich, Stärke zeigt sich auch – oder vor allem – darin, aufzuhören und zwar auch schon bevor alles auf Anschlag ist.
Ich bemühe mich sehr, früher aus Situationen herauszugehen, die mir nicht guttun. Diese wirklich zu erkennen und entsprechend zu handeln.
Ich sage Termine ab, wenn ich merke, dass ich nur noch reagiere, und ich erkläre mich nicht mehr für tot. Heißt, ich lasse Dinge einfach mal so im Raum stehen und schaue, was passiert. Und ob ihr es glaubt oder nicht, es ist oft sehr überraschend, was dann passiert oder auch nicht passiert. ;-)
Das ist keine Schwäche. Das ist Pflege.
Selbstfürsorge heißt für mich weniger Input
Weniger Meinungen. Weniger Nachrichten. Weniger Dauerbeschallung.
Die Welt ist laut genug. Ich muss sie mir nicht rund um die Uhr in mein Wohnzimmer holen.
Mittlerweile wähle ich sehr bewusst, womit ich mich füttere – gedanklich wie emotional.
Und ja, manchmal und immer öfter heißt Selbstfürsorge auch: Handy weg! Denn ich habe festgestellt, dass ich oft lange durch die Sozialen Medien scrolle, ohne überhaupt hinterher zu wissen, was ich mir angeschaut habe.
Ich höre meinem Körper wieder zu
Nicht erst, wenn er schreit und auch nicht erst, wenn nichts mehr geht. Müdigkeit ist für mich kein Zeichen von Versagen, sondern ein wichtiges Signal. Ich nehme es ernst, wenn ich langsamer werde und wenn mir nach Ruhe ist oder wenn ich keine Lust auf Tempo habe. Ich gönne mir einfach auch mal eine Auszeit mit einem Buch oder meinem Strickzeug auf dem Sofa, nur mit schöner Musik oder ganz ohne Beschallung.
Das empfinde ich nicht als Rückschritt, sondern das ist Erfahrung.
Selbstfürsorge ist unbequem
Das sagt dir nur niemand. Denn es ist unbequem, Nein zu sagen.
Es ist unbequem, Erwartungen zu enttäuschen, es ist unbequem, die eigenen Grenzen wichtiger zu nehmen als Harmonie.
Aber es ist noch deutlich unbequemer, sich selbst ständig zu übergehen.
Ich mache weniger – und lebe mehr
Ich plane weniger voll, ich lasse mir zwischendurch Lücken.
Ich versuche nicht jede freie Minute zu besetzen. Nicht, weil ich nichts vorhabe, sondern weil ich Platz brauche.
Für Gedanken.
Für Gespräche.
Für mich.
Selbstfürsorge hat mein Leben nicht perfekt gemacht
Aber ehrlicher.
Ich bin nicht entspannter als alle anderen. Ich habe mein Leben wahrlich nicht immer im Griff und ich scheitere immer noch regelmäßig an meinen eigenen Ansprüchen. Aber ich merke schneller, wenn ich mich verliere und ich komme schneller zu mir zurück.
Vielleicht ist genau das Selbstfürsorge.
Nicht alles richtig zu machen – sondern sich selbst nicht mehr aus dem Blick zu verlieren.
Und wieder mal: Fuck the Falten!
Und alles, was uns sonst noch weismachen will, wir müssten noch mehr leisten, um gut zu sein.
;-)
Mit diesem heutigen Artikel möchte ich meine kleine 3er-Reihe zum Thema Bindung, Abgrenzung und Integration abschließen. Nachdem ich euch Anfang des Jahres schon einen „Liebesbrief“ geschrieben habe, gefolgt von einer „Fuck the Falten-Liste – was Frauen nicht mehr mit sich machen“. Beide Artikel findet ihr verlinkt oder unter diesem Beitrag und könnt, (nein, müsst! ;-)) sie natürlich nochmal nachlesen.
© FTF, Sabine Fuchs und Ulrike Heppel
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Kommentare
So ein schöner Blogpost zum Thema "Selbstfürsorge".
Vielen Dank!
Liebe Josi,
ich danke dir ganz herzlich. ♥ Uli
Wir freuen uns auf deinen Kommentar