16•04•2026

Auf der Suche nach dem Glück

Warum wir es oft genau da übersehen, wo es längst ist.

Glück ist so ein großes Wort – aufgeladen, überstrapaziert und so oft benutzt, dass man manchmal gar nicht mehr genau weiß, was eigentlich gemeint ist.
Seit ich mich entschieden habe, über das Thema „Glück“ zu schreiben, sehe ich ständig nur Texte und Beiträge zum Thema Glück. Offensichtlich ein gerade sehr notwendiges und brisantes Thema. Warum nur?

Neulich saß ich mit zwei guten Freundinnen beim Frühstück. Nicht irgendwo – sondern in einem Hotel. In unserer eigenen Stadt, in München. Meine Freundin Claudia war am Abend zuvor in der Oper gewesen und hatte sich kurzerhand ein Zimmer gebucht. Kein nächtliches Nach-Hause-Fahren, kein „Das schaffe ich schon noch“. Sie ist einfach dageblieben und hat sich ein Zimmer genommen.
Am nächsten Morgen hat sie uns zum Frühstück ins Hotel eingeladen. Und plötzlich saßen wir da – mit Kaffee, frischen Semmeln und diesem leisen Gefühl von: Das ist gerade richtig schön. Es war kein besonderer Anlass oder großes Ereignis, sondern ein Moment, der sich wertvoller anfühlte als vieles, das man lange plant.
Wir haben geredet. Über Gott und vor allem die Welt. Über das Leben, über das, was gerade leicht ist – und über das, was es nicht ist. Und irgendwann, fast nebenbei, sind wir beim Thema Glück gelandet. Weil es gerade überall mitschwingt. In diesen unsteten Zeiten, in denen so vieles unklar ist. In denen man sich fragt, woran man sich eigentlich festhalten kann.


Und weil – wenn wir ehrlich sind – doch jede von uns danach sucht. Nach Glück.


Oder zumindest nach diesen Momenten, in denen sich das Leben für einen Augenblick genau richtig anfühlt. Und vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Frage: Was ist Glück überhaupt?
Alle wollen wir glücklich sein oder zumindest glücklicher. Aber was heißt das überhaupt?
Soll es ein Dauerzustand sein, ein Ziel oder ein Gefühl? Etwas, da sich so einstellt und das bleibt, wenn man nur alles immer richtig macht?


Glück ist kein Dauerzustand

Ich glaube, genau da fängt das Missverständnis an. Glück ist kein Dauerzustand. Ich war lang der Meinung, Glück sei etwas, das man erreichen muss. Irgendwann, wenn alles passt, wenn die äußeren Umstände stimmen und wenn man angekommen ist. Wenn alles im Ruder und in Bahnen läuft. Wenn man die kleinen Unwegsamkeiten des Alltags einfach so wegwischen kann und dann alles wieder rund läuft. Wenn ich einfach alles erreicht habe, was ich mir so vorgenommen habe, dann muss ich doch glücklich sein, oder?

Spoiler:      Dieser Moment kommt so nicht.
Ok, ich habe erkannt, das Leben bleibt unruhig und unperfekt und vor allem bleibt es anstrengend. Glück ist kein Zustand, den man festhalten kann. Es ist nur ein Moment.

Ein kurzer, ehrlicher und oft ein leiser Moment ...


... der genauso schnell verschwindet, wie er gekommen ist. Und ich frage mich, muss es denn immer das Glück sein? Reicht nicht auch nur ein bisschen Zufriedenheit? Ich für meinen Teil finde das Gefühl, zufrieden zu sein, oft schon mehr als bereichernd und genug. Aber ...

Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Glück und Zufriedenheit?

Zufriedenheit ist etwas anderes. Zufriedenheit ist ruhiger, irgendwie unaufgeregter und ganz sicher vor allem weniger spektakulär. Zufriedenheit zeigt sich nicht in großen Höhen, sondern eher in einem Gefühl von: Es ist gerade okay, so wie es ist. Es ist nicht perfekt, es ist vielleicht auch nicht leicht, aber es fühlt sich irgendwie stimmig an. Und ganz ehrlich: Zufriedenheit trägt uns durch Tage, an denen das Glück gerade woanders ist.


Wenn Glück der Moment ist, dann ist Zufriedenheit der Boden darunter.


Ich glaube, wir haben ein falsches Bild von Glück gelernt oder es wird uns etwas völlig Irreführendes vorgegaukelt. Immer häufiger wird uns Glück doch verkauft wie ein Produkt. Schöner, jünger, erfolgreicher, leichter. Als wäre Glück das Ergebnis von unendlicher Optimierung. Dabei liegt es oft genau nicht dort. Weder im perfekten Körper noch im perfekten Leben und schon gar nicht im perfekten Timing.
Meist liegt es doch irgendwo dazwischen. In den ungeplanten Momenten, im Unfertigen, im echten Leben eben.

Was braucht man, um glücklich zu sein?

Wahrscheinlich weniger, als wir denken. Wir brauchen nicht mehr Termine, nicht noch mehr Dinge und auch nicht noch mehr Ziele. Wir brauchen die Momente, in denen wir ganz da sind. Menschen, bei denen wir uns nicht verstellen müssen, das Gefühl, uns selbst nicht ständig zu hinterfragen, kleine Inseln der Ruhe in einem lauten Alltag und vielleicht auch … die Fähigkeit, Glück überhaupt wahrzunehmen.

Glück im Alltag – unspektakulär und genau deshalb so wertvoll

Glück ist selten groß. Es ist ein Gespräch, das guttut, ein Lachen, das nicht geplant war, ein Moment, in dem man sich selbst nicht im Weg steht, ein Kaffee in Ruhe am Morgen, ein Gedanke, der sich plötzlich leicht anfühlt. Nichts davon ist weltbewegend und genau das ist wahrscheinlich der Punkt. Wir übersehen Glück, weil wir nach etwas Größerem suchen.

In diesen Zeiten ist Glück fast schon ein leiser Widerstand

Die Welt ist gerade nicht leicht. Überhaupt nicht! Nachrichten, Krisen, Unsicherheit. Es gibt genug Gründe, sich Sorgen zu machen. Und es wäre auch falsch, das alles auszublenden. Aber vielleicht ist genau deshalb das kleine Glück auch wieder so wichtig. Nicht als Flucht, sondern als Gegengewicht.


Ein Moment von Ruhe, von Verbundenheit, in dem nicht alles gleichzeitig wichtig ist … ist kein Wegsehen, sondern das ist Stabilität.


Glück und Gesundheit – enger verbunden, als wir denken

Wir spüren es ja selbst, wenn wir uns gut fühlen, sind wir ruhiger, geduldiger und klarer. Glück oder vielleicht besser Zufriedenheit wirkt dann. Auf unseren Körper, auf unseren Schlaf, und auf unser Nervensystem. Es nimmt Druck raus und macht uns widerstandsfähiger. Natürlich nicht unverwundbar, aber eben stabiler.

Aber wo findet man das Glück?

Wahrscheinlich nicht dort, wo wir es immer suchen. Nicht in der nächsten Veränderung. Nicht im nächsten Ziel. Nicht im „Wenn ich erst … dann“.

Sondern eher im Jetzt, im Weniger, im Weglassen, im Annehmen. Und manchmal auch im Aufhören, es ständig finden zu wollen. Vielleicht geht es gar nicht darum, glücklich zu werden. Vielleicht geht es darum, die Momente zu erkennen, in denen wir es längst sind. Zwischen Alltag, Chaos, To-do-Listen und dem Gedankenkarussell, zwischen allem, was nicht perfekt ist.

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Glücksmomente Text

Als ich auf der Suche nach „Glücksmomenten“ für diesen Artikel durch meine Fotobibliothek gescrollt bin, da habe ich sie gefunden, die vielen kleinen großen Glücksmomente meines Alltags. 

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Glücksmomente

Und ganz ehrlich, es sind ganz schön viele. Ich glaube, manchmal muss man nur durch seine Erinnerungen scrollen, um sich bewusst zu machen, wie viele dieser glücklichen Momente es gibt. Und eines haben sie fast alle gemeinsam. Sie haben immer mit lieben Menschen um mich herum zu tun oder mit besonderen Orten und Augenblicken.



Glück ist also nicht das große Finale. Es ist das, was zwischendurch passiert, wenn wir kurz aufhören, woanders sein zu wollen.
 

Eure Uli

Glücksmoment

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Kommentare

Bettina

Liebe Uli,
das ist ein schöner Blogpost. Ich lese ja alle Posts, aber hier muss ich jetzt mal was zu schreiben, denn die Themen Glück und Zufriedenheit beschäftigen mich auch sehr.

Mir gefällt, dass du sagst, Zufriedenheit ist der Boden auf dem Glück entstehen kann. Und um diesen Boden zu bereiten, auf dem Glücksmomente gedeihen können, ist es so wichtig, dass ich mir immer wieder bewusst mache, was macht mich denn wirklich zufrieden. In Beruf und im Leben.

Und dann die (kleinen) Glücksmomente auch wirklich erkennen und genießen.

Danke für die schönen Impulse 🩷.

Liebe Bettina,

ich danke dir sehr für deinen schönen Input. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Menschen nur die negativen Dinge herauspicken und darauf herumreiten. Dabei haben wir doch so viel Glück, in einem Land zu leben, das zum Beipiel nicht von Kriegen heimgesucht wird. Ich denke oft, wir können wirklich zumindest zufrieden sein, wenn nicht sogar glücklich. Ich versuche immer, mit die kleinen Glücksmomente ganz bewusst zu machen. ♥ Uli

Tatjana

Liebe Ulli,
DANKE für diese so schönen Zeilen über Glück! Volltreffer ins Herz und reinster Seelenbalsam! Also mich hast Du damit berührt. Ich bin jetzt glücklich und hab ein Lächeln im Gesicht. :-) Vielen herzlich Dank dafür und liebe Grüße, Tatjana

Liebe Tatjan,

und damit hast du mich jetzt total berührt. Vielen Dank für deine lieben Zeilen, das freut mich sehr. ♥ Uli

Birgit von nor…

Liebe Uli,
danke. für diese Worte zum Glück! Und Du hast völlig recht: es ist nicht weg, nur weil wir schwierige Zeiten haben!
Ich Stimme. deinem Satz "wenn Glück der Moment ist ist Zufriedenheit. der Boden dafür" absolut zu. Für mich ist Glück, wenn ich mit meinem Leben zufrieden bin und dazu ein besonderer Moment kommt, der mich zum Strahlen bringt: Ein nettes Gespräch, die unglaubliche Schönheit die die Natur hervorbringen kann, eine gelungen abgeschlossene Handarbeit, ein gutes Essen, Momente mit Freunden. - Die Kunst ist, diese Momente bewußt wahrzunehmen und als Glück zu empfinden!
Herzliche Grüße
Birgit

Liebe Birgit,

manchmal habe ich das Gefühl, wir haben es verlernt, die kleinen und schönen Glücksmomente zu sehen oder wahrzunehmen. Und wie du es so schön sagst, das müssen keine großen Dinge sein. Ich versuche auch, mich immer an den kleinen Sache, wie die Schönheit eines blühenden Kirschbaums oder einen fertig gestricken Pullover zu freuen. Lieben Dank für deinen schönen Beitrag. Was für ein Glück, dass wir so tolle Leserinnen haben. ♥ Uli

Ute

Liebe Uli,
wie du weißt , bin ich eine treue ftf-Followerin und lese auch die Newsletter, allerdings immer kommentarlos.
Dieser Post hat auch mich tief berührt, weil Du es so wunderbar auf den Punkt gebracht hast:
ja, Zufriedenheit ist der Boden auf dem das Glück gedeihen kann!!
Ich erkenne oft diese kleinen Glücksmomente und erfreue mich daran, wie z.B. dieser Newsletter.
Danke dafür und auf dass ihn viele lesen und auch ein kleines *Glück* finden.
Liebe Grüße
Ute

Liebe Ute,

wenn ich so schöne Kommentare, wie den deinen lese, dann weiß ich wieder, warum wir das hier machen ;-) Ich danke dir aus ganzem Herzen für deine wertschätzenden Worte. ♥ Uli

Wir freuen uns auf deinen Kommentar

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