FTF Die Buchstaplerin #53 – Taschenbuchtipps für den Urlaub
Ich packe meinen Koffer und nehme mit … viel zu viele Bücher! Das ist schon ein Running-Gag bei uns, denn meine Büchertasche packe ich vor den Klamotten, Sonnenschutz oder Handtüchern – meine Prioritäten sind da ganz eindeutig gesetzt! Aber ich brauche einfach das Gefühl, eine schöne Auswahl mit dabei zu haben. Die schlimmste Vorstellung für mich ist, dass der Lesestoff ausgehen könnte.
Für die Reise eignen sich natürlich besonders Taschenbücher, und da habe ich noch ein paar spannende, bereichernde und tolle Tipps für euch:
„Die Briefeschreiberin“ von Virginia Evans (übersetzt von Regina Rawlinson; Goldmann Verlag) ist eine kostbare Lese-Perle, die anhand von Briefen ein ganzes Leben erzählt:
Die 73-jährige Sybil van Antwerp war Juristin, ist innerlich noch immer eine streitbare Person mit großem Herzen, und fast jeden Morgen sitzt sie an ihren Schreibtisch, um Briefe zu schreiben – an ihre Verwandten und ihren Freundeskreis, an Ämter und Dienstleistungen und an Schriftsteller:innen, deren Bücher sie gelesen hat. Mit großem Wortwitz und hohem Unterhaltungswert, aber auch mit Empathie, Sorge und melancholischen Untertönen begegnet sie schriftlich ihren Mitmenschen. Daraus setzt sich ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen, Hoffnungen und Enttäuschungen, Erfolgen und Niederlagen, glücklichen Momenten und schicksalshaften Begegnungen wie ein Puzzle zusammen. Sybils Klugheit, ihr Humor, aber auch ihre Kratzbürstigkeit machen sie so ungemein liebenswert und ihre Briefe zeigen, wie wertvoll und bereichernd es sein kann, nach vielen Jahren längst vergangene Zeilen wieder zu lesen und sich zu erinnern!
Eine liebevoll erzählte Geschichte, die wohltuend nachwirkt!
„Der Gott des Waldes“ von Liz Moore (übersetzt von Cornelius Hartz; C.H. Beck Verlag) lässt sich nur schwer in eine Kategorie packen – es ist eine äußerst gelungene Mischung aus Krimi und Familiendrama vor der beeindruckenden Kulisse der Adirondack Mountains im Bundesstaat New York.
Im August 1975 findet hier das alljährliche Sommercamp statt, in dem die Kids neben Survival-Lektionen vor allem einen unbeschwerten Sommer in der Wildnis verbringen sollen.
Doch dann verschwindet eines Tages die 13-jährige Barbara spurlos und die groß angelegte Suchaktion steht unter brisanten Vorzeichen: Barbara ist die Tochter der reichen Familie van Laar, denen das Naturreservat gehört und deren Bruder Bear vor 14 Jahren auch hier spurlos verschwunden ist. Ein Zufall?
Die verzweifelte Suche weckt bei allen Beteiligten Erinnerungen an 1961 und als Leser:in erfährt man durch geschickt inszenierte Zeitsprünge Details aus der Vergangenheit, die immer mehr Licht ins Dunkel bringen …
Ein raffiniert erzählter Pageturner, den The Guardian sehr treffend als „ein literarischer Thriller der Spitzenklasse“ bezeichnet hat.
Großes Erzähl-Kino!
In ihrem Roman „Die Frauen jenseits des Flusses“ schreibt die amerikanische Autorin Kristin Hannah (übersetzt von Christine Strüh; Aufbau Verlag) über den Vietnam-Krieg und über die 10.000 Frauen, die dort ihren Kriegsdienst geleistet und zum Teil schwer traumatisiert in die USA zurückgekehrt sind, ohne dafür die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen.
Im Mittelpunkt steht die junge Krankenschwester-Schülerin Frances, die ihren geliebten Bruder im Vietnamkrieg verliert. Sie beschließt mit ihrem medizinischen Know-how, sich freiwillig für den Dienst an der Front zu melden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in Vietnam wächst Frances über sich hinaus, rettet Menschenleben, erlebt Gräueltaten und stellt sich immer wieder den Herausforderungen des Krieges.
Als sie wieder nach Hause zurückkehrt, muss die junge Frau erleben, dass sie und ihre Kolleginnen von Kriegsgegnern beschimpft und verleugnet werden – eine bittere Erfahrung, haben sie nicht schon genug damit zu tun, ihre Erfahrungen und Traumata zu verarbeiten. Doch Frances stellt sich gegen die gängigen Konventionen und geht auch weiter mutig ihren eigenen Weg …
Kristin Hannah beschreibt fesselnd ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, in dem die Arbeit von Frauen wieder einmal verleugnet und unter den Teppich gekehrt wird.
Schon allein deswegen ist ihr Roman so überaus lesenswert – mitreißend, aufwühlend, emotionsgeladen und sehr spannend erzählt!
Wer klassische Kriminalromane der englischen Art schätzt, dem kann ich die neue Reihe um DC Smith, die in Norfolk angesiedelt ist, empfehlen:
Schon der erste Band „Ein unglücklicher Tod“ von Peter Grainger (übersetzt von Eva Regul; Diogenes Verlag; erscheint am 22.7.) macht süchtig wie eine gute Serie!
Nach einem internen Ermittlungsverfahren kehrt DC Smith trotz aller Einwände zur Polizei von Norfolk zurück – allzu gerne hätte man den eigenwilligen, ruhelosen Detective Constable in den Ruhestand geschickt. Notgedrungen bekommt er einen scheinbar langweiligen Routinefall vor die Nase geknallt – doch war der Tod des 17-jährigen Wayne tatsächlich ein Unfall und ist er ertrunken? Smith bekommt beim Durchlesen der Akte erste Zweifel und er lässt nicht locker: Irgendetwas stinkt zum Himmel und er vertraut seinem Bauchgefühl und seiner untrüglichen Spürnase …
Die fein gezeichneten Figuren, unkonventionellen Methoden, die undurchschaubaren Machtspiele bei der Polizei und der liebevoll-kauzige Ermittler mit seinen Ecken und Kanten, gepaart mit einem humorvollen, sehr britischen Erzählton, machen viel Spaß beim Lesen und Mitraten – und große Lust auf den zweiten Band, der Ende September erscheinen wird.
„Ein klarer Tag“ von Carys Davies (übersetzt von Eva Bonne; btb Verlag) ist ein literarisches Kleinod, das mir unvergesslich bleibt. Die Geschichte spielt 1843 auf einer einsamen Shetland-Insel:
Der verarmte Pfarrer John Ferguson von der schottischen Freikirche wird auf die Insel geschickt, um den letzten Einwohner durch Enteignung mit aufs Festland zu bringen – damals eine gängige Methode, um mehr Platz für Ackerbau und Viehzucht zu erhalten. Kurz nach seiner Ankunft verunglückt Ferguson schwer und ist nun auf die Hilfe und Gastfreundschaft von Ivar angewiesen, den er doch eigentlich von der Insel vertreiben soll. Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein, nicht nur Sprache und Herkunft trennen die beiden. Und doch nähern sie sich an und es entsteht eine zarte Freundschaft, eingebettet in die karge, ursprüngliche Natur der Shetland-Inseln, die sehr bedrohlich wirken kann – aber was ist letztendlich bedrohlicher: der Mensch oder die Natur?
Eine grandios erzählte Novelle, die auf mehreren Ebenen nachhaltig wirkt:
Es geht um Freundschaft und Liebe, Sprache und Kommunikation, die Doppelmoral der Kirche und das eigene Gewissen, und um die große Kraft der Natur! Für mich ein Herzensbuch voller Poesie!
Wow, was für ein Segeltörn! Anne Freytag lässt ihre Leser:innen im wahrsten Sinne des Wortes ein „Blaues Wunder“ (Kampa Verlag) erleben!
Es könnte der Traumurlaub auf den Philippinen sein, wäre es nicht der Chef, der seine beiden konkurrierenden Nachfolger inklusive Ehefrauen auf seine Luxusjacht einlädt. Draußen scheint die Sonne auf ein blitzblaues Meer, während hinter den Kulissen die wichtigste Aufgabe darin zu liegen scheint, gute Miene, ein strahlendes Lächeln und die perfekte Garderobe zu tragen.
Aber Anne Freytag wäre nicht Anne Freytag, wenn sie nicht mit sezierendem Blick die drei Paare beobachten und die menschlichen Abgründe schonungslos aufdecken würde.
Dabei lässt sie die Geschichte aus Sicht der drei Frauen erzählen, die tiefe Einblicke in ihr Seelenleben, ihre Verletzungen und Abhängigkeiten geben und die uns gleichzeitig immer wieder überraschen. Subtil steigert sich die Spannung bis zum furiosen Finale …
Ein luxuriöser Horrortrip und ein perfides Kammerspiel vom Allerfeinsten!
Unter dem Motto „Staunen, was dazulernen, die Zeit vergessen“ gibt es im DuMont Reiseverlag die „fantastischen Rätselreisen“ wie „Auf Deutschlandtour“ und „Einmal um die Welt“.
Hier finden sich spannende Knobeleien, abwechslungsreiche Rätsel, Quizfragen, Sudokus, Labyrinthe oder Rätselgeschichten, die sich zuhause auf dem Balkon oder auf der Reise lösen und viele Stunden überbrücken lassen. Es wird garantiert nie langweilig und man erfährt nebenbei viel Neues über Land und Leute.
Jede Rätselreise ist ein gut austariertes Potpourri an Knobelspaß für die ganze Familie, mit dem sich auch so mancher Regentag gut überstehen lässt!
Ich hoffe, ihr seid nun gut gerüstet für die kommenden Ferien und ihr findet auch immer mal wieder Zeit für ein gutes Buch!
Wir lesen uns!
Eure Buchstaplerin
© FTF, Sabine Fuchs und Ulrike Heppel
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