Warum Stil mehr ist als Mode – Ein Gespräch mit Interior Designerin Lis Müller
Manche Menschen haben ein besonderes Gespür für Stil – nicht nur für Trends, sondern für das, was wirklich zu Menschen passt. Interior Designerin Lis Müller gehört genau zu dieser Kategorie. Mit ihrem Unternehmen LookGood Styling verbindet sie Ästhetik mit Persönlichkeit und zeigt, dass Stil weit mehr ist als Kleidung oder Einrichtung: Er ist Ausdruck von Haltung, Selbstbewusstsein und Lebensgefühl.
Was ihre Arbeit auszeichnet, ist die Mischung aus klarer Linie, einem sicheren Blick für Details und einer sehr persönlichen Herangehensweise. Sie versteht es, Räume, Looks und Persönlichkeiten so in Einklang zu bringen, dass daraus ein stimmiges Gesamtbild entsteht – modern, authentisch und mit einer spürbaren Leichtigkeit. Ihr Stil wirkt nie aufgesetzt, sondern selbstverständlich elegant.
Genau darüber sprechen wir in diesem Interview: über Stil, über Wirkung und darüber, warum gutes Design oft viel mehr verändert als nur die Oberfläche.
FTF: Was hat dich dazu inspiriert, Einrichtungsdesignerin zu werden? (Ist das deine richtige Bezeichnung?)
Lis Müller: Einrichtungsdesignerin finde ich etwas sperrig. Es gibt eigentlich kein entsprechendes Wort für Interior Designer auf deutsch, daher sage ich meistens das englische. Und ich hab das einfach immer gerne gemacht!
FTF: Wie würdest du deinen Designstil beschreiben?
Lis: Lässig elegant, immer mit einem Twist
FTF: Welche Elemente sind für dich in einem Raum unverzichtbar?
Lis: Haptische Materialien, Farben und Kunst
FTF: Wie würdest du deine eigene Wohnung oder deinen Einrichtungsstil beschreiben?
Lis: Aus wenig etwas Stimmungsvolles und Gemütliches machen
FTF: Hast du ein Lieblingsprojekt, von dem du uns erzählen kannst und was es für dich besonders gemacht hat?
Lis: Alle meine Projekte sind zu Lieblingsprojekten geworden.
FTF: Was sind die größten Herausforderungen, denen du bei der Gestaltung eines Raumes begegnest?
Lis: Ehrlich gesagt ist es meistens das Budget, die total verschiedenen Ansichten bei Partnern und unrealistische Pinterest-Fantasien
Der persönliche Stil sollte sich konsequent in der Mode und auch im Wohnbereich durchziehen.
FTF: Welche aktuellen Trends im Innendesign findest du spannend?
Lis: Es ist wie bei der Mode – alles geht, es muss einfach nur gut ausschauen!
Und nach der langen Phase der neutralen Töne kommt endlich wieder Farbe ins Spiel.
FTF: Wie integrierst du Nachhaltigkeit in deine Designs?
Lis: Ich ermutige immer dazu Lieblingsstücke zu behalten und neu zu inszenieren. Billige Ramschmöbel gehen gar nicht, da lieber zu Vintage-Stücken greifen. Bei Materialien setze ich nur auf Qualität und achte auf die Herkunft und Produktionsbedingungen.
FTF: Du gehst gerne auf Flohmärkte, kaufst du da auch einfach mal „auf Verdacht“ interessante Stücke ein oder suchst du da ganz konkret nach It-Pieces oder Kundenwünsche?
Lis: Ich verliebe mich einfach in bestimmte Schätze und wenn ich es mir leisten kann, kaufe ich auf Verdacht.
FTF: Wie gehst du auf die Wünsche und Bedürfnisse deiner Kunden ein?
Lis: Mit Fragen fragen und nochmal fragen. Und manchmal auch hinterfragen „Ist das wirklich, was DU willst?“ Oft spielen viele äußere Einflüsse mit und ich versuche von vordergründigen Wünschen auf die tatsächlichen Bedürfnisse zu kommen.
FTF: Welche Materialien und Farben bevorzugst du in deine Designs und warum?
Lis: Ich liebe Naturmaterialien – die fühlen sich am besten an. Von Farben kann ich nicht genug kriegen, sie sind ein wundervoller Stimmungsbooster. Kunst auf einer farbigen Wand – genial!
Das Leben ist zu kurz für langweiliges Wohnen und schlechten Wein.
FTF: Wie wählst du die Farbpalette für ein Projekt aus?
Lis: Zuerst find ich heraus, welche Farben dem Kunden gar nicht gefallen. Dann entwerfe ich ein Konzept für Boden, Wand und Decke (die wird sehr oft vergessen, ist aber wichtig!) Die Beleuchtung kommt hier ins Spiel, weil Farben mit Kalt oder Warmlicht ganz verschieden wirken.
Dann gibt es die neutrale Palette und die Akzentfarben – hier ist die Umgebung zu berücksichtigen (am Meer, Urbanes Setting, in den Bergen, etc.)
FTF: Wie entscheidest du, welche Trends du in deinen Designs integrierst und welche du vermeidest?
Lis: Ich hab’s nicht so mit Trends … die vergehen, … mir ist wichtig, dass sich ein Kunde lange Zeit wohlfühlt.
FTF: Gibt es einen Trend, den du als überbewertet empfindest?
Lis: Alles, was mit Glamour und Glitzer zu tun hat.
Ich mag die Kombination von Alt und Neu.
FTF: Wo siehst du die Zukunft des Innendesigns? Gibt es neue Technologien oder Konzepte, die dich interessieren?
Lis: Ich mag, wenn man den Menschen hinter dem Konzept sieht, nicht eine glatte und unbeteiligte KI. Interior Design ist eine sehr persönliche Sache und wenn sich bei der Zusammenarbeit ungewöhnliche und verrückte Ideen entwickeln finde ich das wundervoll!
FTF: Welche Projekte oder Ideen möchtest du in der Zukunft umsetzen?
Lis: Am liebsten würde ich mit kleinen Projekten arbeiten – Umgestaltung von Eingangsbereich, Schlafzimmer, Bad, etc. – da kann man mit außergewöhnlichen Ideen viel bewirken. Wartezimmer von Ärzten oder Empfangsbereiche von Firmen sind auch ein Lieblingsthema von mir – da gibt es Handlungsbedarf!
FTF: Hast du Ratschläge für Menschen, die ihr Zuhause umgestalten möchten?
Lis: Sucht euch einen Profipartner, mit dem Ihr Eure Vorstellungen besprechen und verwirklichen könnt. Es zahlt sich aus!
Moodboards sind meine genialen Partner, um Stil und Atmosphäre einer Einrichtung rüberzubringen.
FTF: Was sind deine Must-Haves für ein gelungenes Wohnkonzept?
Lis: Der Wohlfühl-Faktor! Einen Raum, betreten und einfach da bleiben zu wollen, ein Glas trinken und ins Feuer schauen, mit Freunden plaudern, lesen ...
Ich sage meinen Kunden immer, sie sollen mir zwei Worte sagen, die sie selbst gut beschreiben. Meine beiden Worte sind zum Beispiel „lässig-elegant“.
FTF: Hast du eine Farbe, die du persönlich besonders gerne magst?
Lis: Meine Lieblingsfarbe ist ein strahlendes Rosa. Das macht mich glücklich und lässt mich lächeln. Aber kräftig muss es sein.
Liebe Lis, herzlichen Dank für diesen spannenden Einblick in deinen Job und für dieses Interview.
Wenn ihr Kontakt mit Lis Müller aufnehmen wollte, dann klickt doch einfach auf ihre Webseite LookGood Styling. Lis arbeitet in Österreich und Deutschland.
© FTF, Sabine Fuchs und Ulrike Heppel
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