Was ich nicht mehr mit mir mache – eine ehrliche Liste für Frauen ab 50
Irgendwann habe ich gemerkt, es geht nicht mehr darum, was ich noch alles lernen, leisten, aushalten oder verbessern muss. Sondern darum – älter werden hat eben auch seine Vorteile – was ich endlich lassen darf. Viele Frauen ab 50 (vielleicht auch schon vorher) entwickeln ein starkes Bewusstsein, dass es weniger darum geht, sich ständig zu optimieren und mehr darum, sich selbst ernst zu nehmen.
Meine Liste soll keine Kampfansage sein. Ich ziehe nicht in den Krieg gegen meine Welt, ich rechne nicht ab und ich bin schon gar nicht verbittert.
Ganz im Gegenteil. Diese Liste ist das Ergebnis von Erfahrung, von Hinsehen, von zu oft über eigene Grenzen gehen – und irgendwann zu verstehen, dass Stärke nicht darin liegt, alles mitzumachen.
Ich schreibe diese Zeilen nicht aus Trotz, nicht aus Erschöpfung oder Frust, sondern aus einer sehr bewussten Entscheidung heraus.
Ich möchte in Zukunft gut mit mir umgehen, möchte mir selbst glauben können und ich möchte mein Leben nicht mehr gegen mich selbst führen. Was ich hier aufgeschrieben habe, ist keine Anleitung und auch kein Dogma.
Es ist schlicht und ergreifend meine persönliche Fuck-the-Falten-Liste.
Ich mache mich nicht mehr klein
Nicht, damit andere sich größer fühlen, nicht, damit es harmonischer wirkt und auch nicht, damit niemand irritiert ist.
Ich bin nicht laut, um zu provozieren. Ich bin sichtbar, weil ich da bin.
Ich erkläre mein Alter nicht mehr
Nicht mit Humor. Nicht mit Rechtfertigung.
Nicht mit diesem reflexhaften „Hach, man sieht es mir ja gar nicht an“.
Doch! Man sieht es mir an.
Und das ist gut so!
Ich lächle nicht mehr aus Höflichkeit
Nicht, wenn mir nicht wirklich danach ist.
Nicht, um Spannungen zu entschärfen, die gar nicht meine sind.
Nicht, um Erwartungen zu erfüllen, die nie ausgesprochen wurden.
Mein Gesicht schuldet niemandem Freundlichkeit. Ich lächle, wenn mir danach ist und das auch gerne mal ganz spontan und ohne Grund.
Ich ignoriere mein Bauchgefühl nicht mehr
Ich habe lange genug gelernt, es zu übergehen, es nicht wahrzunehmen, es leiser zu drehen.
Heute weiß ich, mein Bauchgefühl war selten falsch und hat mich fast nie im Stich gelassen.
Ich war nur anderen gegenüber zu höflich, um ihm zuzuhören.
Ich halte nicht mehr an Menschen fest, die mich auslaugen
Liebe darf anstrengend sein und Beziehungen dürfen Arbeit machen. Müssen sie wahrscheinlich sogar auch.
Aber sie dürfen mich nicht leer zurücklassen.
Ich will nicht verantwortlich sein für das emotionale Gleichgewicht anderer.
Und ich bin kein Reparaturbetrieb.
Ich rechtfertige meine Müdigkeit nicht mehr
Nicht vor mir und schon gar nicht vor anderen.
Nicht mit Terminkalendern und fadenscheinigen Erklärungen.
Müdigkeit ist kein Makel. Sie ist ein Zeichen von Leben, von Verantwortung.
Von zu viel gleichzeitig und immer sofort.
Ich vergleiche mich nicht mehr mit einer Version von mir, die es nie gab
Nicht mit der jüngeren, auch nicht mit der schlankeren und schon gar nicht mit der unerschütterlichen.
Diese Version existiert nur in meinen Rückblicken und falschen Erwartungen.
Ich existiere jetzt! Und ich bin, wie ich bin. Und das ist gut so!
Ich sage öfter Nein – und meine es auch so
Nicht nur ein bisschen, nicht entschuldigend, nicht mit schlechtem Gewissen im Gepäck.
Ein Nein ist kein Angriff. Es ist eine Grenze.
Und Grenzen sind kein Egoismus.
Ich warte nicht mehr auf den perfekten Moment
Nicht auf mehr Mut, nicht auf vielleicht bessere Umstände, nicht auf ein Zeichen von außen.
Das Leben wird nicht übersichtlicher.
Aber ich kann klarer werden.
Zum Schluss
Diese Liste ist ganz sicher nicht vollständig und sie ist auch nicht in Stein gemeißelt.
Sie ist eine Einladung. An mich. Vielleicht ist sie auch eine Einladung an euch.
Vielleicht müssen wir uns nur eine Sache herauspicken. Nur eine!
Und sie dieses Jahr ein kleines bisschen ernster nehmen als bisher.
Nicht aus Härte, sondern aus Liebe zu dir, zu uns!
Und all das, was wir nicht mehr mit uns machen.
Eure Uli
© FTF, Sabine Fuchs und Ulrike Heppel
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Kommentare
Juhu - 🙏 und DANKE!…
dass du diesen Beitrag in die Welt rufst!
Ja, so sollten wir alle handeln - nicht erklären, nicht kuschen und vor allem nicht mehr unser Alter erklären! Wir zählen so viele Jahre wie wir bereits gelebt haben - PUNKT.
Liebe Christine,
lieben Dank für deine Wertschätzung und ich freue mich über jede Zustimmung zu diesem Thema. Ja, wir zählen tatsächlich viele Jahre, die wir bereits gelebt haben. Was für ein Geschenk! ♥ Uli
So schön und ehrlich, viele Punkte habe ich mir auch vorgenommen!!!
Liebe Petra,
ich denke dir von Herzen. Und wir arbeiten daran, dass wir diese Punkte auch genauso umsetzen ;) ♥ Uli
Liebe Uli,
vielen Dank für Deine "Einladung". Deine Gedanken machen Mut und regen zum Weiterdenken an.
Liebe Heike,
wenn du die Liste ergänzen möchtest, immer gerne. Danke für deine lieben Worte. ♥ Uli
Schön geschrieben und mir sowas von aus der Seele gesprochen.
Liebe Karin,
ich danke dir ganz herzlichen. Ich denke immer geteiltes Leid ist halbes Leid ;-) Lieben Gruß ♥ Uli
Amen! Liebe Uli, genau so und nicht anders. Ich kämpfe noch mit dem ein oder anderen Punkt, bin noch lange nicht da, wo und wofür du mittlerweile stehst, aber ich gehe meinen Weg ... schön, dass wir noch immer verbunden sind. Wenngleich auch selten :-*
Liebe Cordu,
ja, oft hat gelebtes Leben auch seine Vorteile. Das emfinde ich tatsächlich so und mache es mir auch immer wieder bewusst. Sehr schön, dass wir verbunden sind - vielelicht auch wieder mal etwas öfter? ;-) ♥ Uli
Liebe Uli,
DANKE 🙏 für deine Liste und deine Einladung.
Vieles davon darf auch auf meine Liste!
Da wird klar, dass wir doch auch Vorteile mit unserem gelebtem Leben haben.
Herzliche Grüße,
Betty 🧡
Liebe Betty,
ich bin der Meinung, das haben wir auf jeden Fall. Und vieles empfinde ich wirklich als Erleichterung. Wie schön, dass es dir genauso geht. ♥ Uli
🫶
Dankeschön, liebe Susanne .... ♥ Uli
Herzlichen Dank liebe Uli....da sind wir am gleichen Punkt... ganz viel Übereinstimmung..nur beim lächeln nicht...ich werde noch mehr lächeln für alle die es dringend brauchen 😉und es mir trotzdem nicht nehmen lassen .. herzliche Grüße Annette
Liebe Annette,
herzlichen Dank und du bist ja auch die "Meisterin im Lächlen". Spontanes Anlächeln erzeugt oft ungeahnte Reaktionen ;-) ♥ Uli
Wir freuen uns auf deinen Kommentar